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Wo liegt das Problem? >> Mit großer Sorge blickt man auf die Prognosen demografischer Hochrechnungen, welche die Problemlawine erahnen lassen, die uns noch bevorsteht. Wer kann und soll sich um all diese Kranken kümmern, die sich alleine nicht mehr im Leben zurechtfinden, weil sie wichtige Zusammenhänge vergessen haben? Bedenkt man das Ungleichgewicht zwischen Alt und Jung in unserer Gesellschaft, wie will man da eine ausreichende Zahl qualifizierter Helfer sicherstellen? Und wer soll diese extrem aufwändige und nervenaufreibende Betreuung bezahlen? >> Dennoch erscheint inzwischen auch ein Licht am Horizont. Nicht bloß ein kleiner und womöglich wieder vergeblicher Hoffnungsschimmer, nein, ein greifbarer Lösungsansatz deutet sich an. Einige haben ihn schon entdeckt, die Mehrheit tut sich jedoch noch schwer damit. Denn, um diesen Lösungsansatz sehen zu können, muss man den Blick in eine andere Richtung wenden: Weg von den kranken Gehirnzellen unter den Mikroskopen, hin zu den kranken Menschen in ihrem sie kränkenden Umfeld. Ein solcher Sichtwechsel fällt jedoch gerade jenen Experten besonders schwer, die sich in die vorherrschende Krankheitstheorie verstrickt habe und seit Jahren fortwährend bemüht sind, diese mit immer neuen Forschungsdetails zu untermauern. Da diese jedoch den Ton angeben, beherrschen organbezogene Krankheitstheorien sowie organbezogene Behandlungsansätze das fachliche, wie das öffentliche Meinungsbild. Andere als diese Sichtweisen werden zwar toleriert, aber man schenkt ihnen keine Beachtung, erst recht nicht, wenn sie im Widerspruch zur offiziellen Lehrmeinung stehen. Dieser Mechanismus dürfte zugleich mit das größte Hindernis auf dem Weg aus der oben erwähnten Sackgasse sein. >> Aus ethischer Sicht, kann die Lage, in die Alzheimerkranke durch die aktuelle Behandlungspraxis in aller Regel hineintherapiert werden, nicht akzeptiert werden. Schauen Sie sich die apathischen Menschen an, die geistesabwesenden Gesichter in den Pflegeeinrichtungen! Man kann Albträume davon bekommen, erst recht, wenn man sich vorstellt, die eigene Mutter, der Vater oder sonst eine nahestehende Person würde in einem solchen Zustand enden oder man selbst sogar. Es ist schon sehr schwer, Menschen noch zu achten, wenn diese sich gebärden wie ungezogene schwererziehbare Kinder: mit dem Essen herummatschen, ihren Kot überall verschmieren oder kratzen, spucken, treten und schlagen, wenn ihnen etwas nicht passt. Wen wundert's, wenn Pflegende immer wieder nach dem Arzt rufen, er möge doch irgendetwas verordnen, damit Frieden einkehrt. Dabei wird jedoch übersehen, dass das unausstehliche Verhalten des Kranken in der Regel auf einer provozierenden Pflegehaltung beruht. Hinzu kommt, dass unter dem Einfluss der gebräuchlichen Medikamente eine ähnliche Situation entstehen kann, wie im Drogenrausch. Alzheimerkranke, die nicht unter dem Einfluss von Psychopharmaka stehen, die stattdessen in einer angemessenen Weise betreut werden, verfügen bis zu letzt über ein intaktes Gespür für die Menschen in ihrem Umfeld. Sie verhalten sich in der Regel so, dass Angehörige sich ihrer nicht zu schämen brauchen und das Zusammenleben nicht nur Last sondern auch Freude ist. Im Detail: In der gängigen Fachliteratur wird M. Alzheimer als eine schicksalhafte Erscheinung dargestellt, die den einen trifft, den anderen verschont. Die Ursachen wurden bislang fast ausschließlich auf der organischen Ebene gesucht. Seit Jahrzehnten konzentrieren sich weltweit unzählige Forscher auf die Hirnmaterie, auf genetische Veränderungen und biochemische Prozesse in den betroffenen Hirnregionen. Doch außer unterschiedlichen Theorien und Vermutungen, ist dabei noch nichts herausgekommen. Da folglich allgemein davon ausgegangen wird, es handele sich um eine primär hirnorganisch verursachte Störung, setzen therapeutische Bemühungen ebenfalls dort an. Unermüdlich sucht die Pharmaindustrie nach Wirkstoffen, die den Verfall bestimmter Zellbestandteile verhindern oder wenigstens aufhalten. Zahlreiche Medikamente wurden empfohlen, zumeist jedoch nach wenigen Jahren wieder verworfen, weil sich der erhoffte Erfolg nicht einstellte oder die schädlichen Nebenwirkungen in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Erfolg gestanden haben. Dennoch kommen im Verlaufe einer Alzheimererkrankung zahlreiche Medikamente zum Einsatz, nicht nur ausgewiesene Alzheimermittel und Psychopharmaka, wobei das eine Medikament die Nebenwirkungen des anderen aufheben soll und am Ende kein Arzt mehr sagen könnte, welche Störung wodurch ausgelöst wird. Vielen Pflegekräften wie auch Ärzten ist klar, dass die Medikamente alles nur noch verschlimmern und die Situation ins Tragische verkehren. Jedoch sehen sie keine andere Möglichkeit, angesichts der personell angespannten Lage in den Krankenhäusern und Pflegeheimen oder eines pflegenden Angehörigen, der kurz vor dem Nervenzusammenbruch steht, weil ihn der Kranke an den Rand der Verzweiflung bringt. Der Griff zum Rezeptblock, zum Ruhigsteller im Arzneischrank, scheint oft das Mittel der Wahl, und die Auswahl an Medikamenten für die verschiedenen Wesensveränderungen und schwer zu ertragenden Verhaltensweisen ist beachtlich. Wer genau hinschaut und sich auskennt, kann sogar sagen, welche Medikamente eingenommen werden: alleine an der Art wie der Kranke reagiert, an seinem Gesichtsausdruck, seinen Bewegungen oder der Teilnahmslosigkeit, mit der er alles über sich ergehen lässt. Vieles im Erscheinungsbild dieser Kranken, wie man es 100.000fach in Altenpflegeeinrichtungen oder in der häuslichen Pflege sehen kann, stammt primär nicht von der Krankheit, sondern müsste als eine Folge der üblichen Medikation gewertet werden; was jedoch aus verständlichen Gründen offiziell nicht geschieht. Da ja fast jeder Kranke irgendwann zum Arzt geht und dann mehr oder weniger stark medikamentös behandelt wird, findet man heute nur wenige Patienten mit einem medikamentös unbeeinflussten Krankheitsverlauf. Aber es gibt sie, und wer sie gesehen hat und Vergleiche ziehen kann, kann jedem im Grunde nur raten, die Finger von den üblichen Medikamenten zu lassen. Es gibt sie, die wenigen Einzelfälle, wie auch Pflegeeinrichtungen, die zeigen, dass es auch anders geht: viel entspannter, viel lebensfreudiger und herzlicher, wenn man seine Einstellung zu dieser Krankheit und den Kranken ändert und angemessen mit ihnen umgeht. Eine Einstellungsänderung legen insbesondere die Forschungsergebnisse von Prof. Dr. med. Joachim Bauer, Universitätsklinikum Freiburg sowie Prof. Dr. Ulrich Kropiunigg, Universitätsklinik Wien, nahe. Beide haben bei ihren biographischen Recherchen und Untersuchungen von rund 100 Alzheimerkranken übereinstimmend festgestellt, dass sowohl bestimmte Persönlichkeitsmerkmale als auch bestimmte psycho-soziale Belastungen bereits vor dem Auftreten der ersten Anzeichen für Alzheimer vorgelegen haben; also nicht erst infolge der Krankheit entstanden sind, wie nach vorherrschender Lehrmeinung angenommen wird. Diese Forschungsergebnisse decken sich mit ungezählten biographischen Erhebungen und Recherchen, die von Pflegekräften oder Sozialtherapeuten gemacht wurden. Bauer geht hier sogar noch einen wichtigen Schritt weiter, in dem er sich auf neurowissenschaftliche Studien bezieht, die einen Zusammenhang zwischen traumatischen sowie andauernden psychisch belastenden Zuständen und dem Abbau bestimmter Synapsen im Gehirn aufzeigen. Demnach rückt diese Krankheit in ein völlig neues Licht, welches die Theorien, von den rein organisch bedingten Ursachen, eigentlich ins Wanken bringen müsste; zumal, trotz jahrzehntelanger, weltweiter, milliardenschwerer Hirnforschungstätigkeit bis heute kein organischer Krankheitsauslöser gefunden werden konnte. Überdies erscheint die Darlegung psychobiologischer Mechanismen nicht nur plausibeler als alles andere, sie bietet zudem klare Ansatzpunkte für Prävention und Heilung. Wenn diese bislang noch nicht aufgegriffen oder wenigsten näher untersucht worden sind und keine allgemeine Hurrastimmung ob dieser Entdeckung ertönte, so hängt das wesentlich mit dem oben erwähnten Mechanismus zusammen. Zwar sind auch bei zahlreichen anderen Erkrankungen psychosomatische Zusammenhänge bekannt, teilweise sogar schulmedizinisch anerkannt, doch die Vorstellung, Alzheimer gehöre ebenfalls in diese Kategorie, löst zur Zeit noch großen Widerstand aus. Da der medizinische Fokus fast ausschließlich auf die Hirnmaterie gerichtet war/ist, warten die Betroffenen, wie überhaupt die Gesellschaft auf eine erlösende Mitteilung aus einem der vielen Alzheimerforschungslabors: das verantwortliche Gen oder ein anderes organisches Relikt sei gefunden worden. Noch am gleichen Tag würde sich eine solche Meldung über sämtliche Kanäle bis in den hintersten Winkel der führenden Nationen verbreiten. Denn darauf hat man gewartet, in diese Richtung wurde investiert. Außerdem wäre den meisten Kranken und Angehörige eine organische Ursache lieber als eine seelische. Wer würde nicht lieber ein Heilmittel in Tablettenform schlucken, würde es dieses geben, anstatt sich mit den krankmachenden Dingen im eigenen Leben zu befassen? Dies erklärt, warum die Erkenntnisse von Bauer und Kropiunigg bislang geradezu ignoriert werden. Sie tauchen in keinem Lehrbuch auf, nicht einmal als Hinweis. Doch so verständlich diese Abwehrhaltung ist, sie hilft niemandem weiter, am wenigsten den Kranken und ihren Angehörigen. Ausgangssituation für unsere Initiative Vor diesem Hintergrund ist unsere Initiative entstanden. Ausgangspunkt war eine Tagung mit Prof. Bauer und Prof. Kropiunigg, am 7. Febr. 2003 im Düsseldorfer Landtagsgebäude, welche bei vielen der Anwesenden mit der Frage endete: Und was nun? Was tue ich mit dieser Erkenntnis - die so völlig im Widerspruch zur gängigen Lehrmeinung und Praxis steht? Wir konnten uns doch nicht einfach zurücklehnen und alles so weiter laufen lassen, auf der einseitig körperorientierten Schiene, wie bisher. Wir können und wollen uns nicht damit begnügen, zu jammern und zu klagen: über den entwürdigenden Umgang, wie er tagtäglich zigtausendfach zu beobachten ist, über die medikamentös erzeugten Zustandsbilder, die diese Menschen zu willenlosen, stumpfsinnigen Marionetten erstarren lassen oder über die Forschung an nicht einwilligungsfähigen Menschen, die Alzheimerkranke, ohne es zu wissen und zu wollen, zu Versuchskaninchen ehrgeiziger Pharmaforscher bzw. Mediziner, werden lässt. Vortrag von Prof. Dr. med Joachim Bauer , Freiburg Studie von Prof. Dr. Ulrich Kropiunigg , Wien
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